ATE    
   
 
  • Ansprache zum 25jährigen Geburtstag der ATE
    Christiane Betz

    Wir feiern das 25 jährige Bestehen der Association Therapie Equestre (kurz ATE genannt). Die ATE beruht auf einer Privatinitiative, deren Ziel es ist, Menschen, die mit Behinderungen leben, ein Stück mehr Lebensqualität zu geben.

    In Deutschland kam ich zuerst in Kontakt mit der Hippotherapie. Dort konnte ich auch eine entsprechende Zusatzausbildung über das Deutsche Kuratorium machen und habe dann zusammen mit Guy Santer, Serge Kruchten, Dr.Léon Ehmann und einigen gutgesinnten Pferdefreunden die « Association Thérapie Équestre » am 11. März 1982 gründen. So begannen wir mit der Hippotherapie, damals im Reckenthal (Luxemburg-Stadt), im Reitstall St. Georg, mit einem ausgeliehenen Pferd und 4 behinderten Kindern .

    25 Jahre ist ein langer Weg, auf dem wir viel miteinander erlebt haben, es gab viele schöne, aufbauende und erlebnisreiche Momente, es gab aber auch viele grosse und kleine Steine , über die wir steigen mussten.

    Dazu fällt mir der sehr passende Spruch ein:
    "Wenn man Dir Steine in den Weg legt, bau Dir was Schönes daraus" , den wir uns zu allen Zeiten sehr zu Herzen genommen haben.

    Schon waren erste Steinchen auf unserm Weg zu spüren. So bekamen wir die Reithalle nur von Sonntags morgens 9h00 bis 10h00, später dann bis 11h00 zur Verfügung gestellt.

    Die größte Hürde war immer wieder, dass die anderen Nutzer in den Reitställen irgendwann die Nähe zur Behinderung nicht mehr aushielten. Dazu kam natürlich, dass ihnen die Reithalle an manchen Stunden nicht zur Verfügung stand. Dies führte zu Spannungen die wir schließlich nicht mehr aushielten und auszogen .

    In 25 Jahren Reittherapie mussten wir so siebenmal den Stall wechseln!

    Zu alledem kam, dass wir die Hippotherapie „gemeinnützig“ ausführten. Wir hatten erhebliche Schwierigkeiten, Therapeuten zu finden die bereit waren, für solch eine anspruchsvolle Therapie unentgeltlich zu arbeiten.

    Ab 1992 wurden wir über ein Subsidium vom Gesundheitsministerium unterstützt.

    Ein nächster großer Baustein in unserer Therapiearbeit waren unsere ersten Voltigierkinder im Heilpädagogischen Voltigieren. Wir haben 1993 mit einer Gruppe von 5 Kindern angefangen. Heute, nach 14 weiteren Jahren, betreuen wir im heilpädagogischen Votigieren 40 Kinder!

    Der nächste große Baustein war dann im November 2004, als wir in einen eigenen,gemieteten Stall einzogen!

    Wir haben dort eine Integrationsgruppe im Heilpädagogischen Reiten aufgebaut. Das heisst, es wurden 3 Kinder mit und ein Kind ohne Probleme betreut. Heute, nach nur 3 Jahren, werden wir 2 weitere Gruppen zu je 4 Kindern in Betreuung nehmen. Damit haben wir dann bereits 12 Kinder im heilpädagogischen Reiten.

    Seit 3 Jahren betreuen wir eine erwachsene Patientin, eine frühere Springreiterin, die unter einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) leidet. Mit Hilfe eines therapeutischen Stalles in Wonsheim (Rheinland-Pfalz) führen wir diese ehemalige Reiterin wieder an das selbständige Reiten heran. Dies ist dann schon unser 4. Baustein in dem ganzen Gefüge unserer Vereinsarbeit in der ATE. Damit wollen wir den nächsten Schritt wagen, nämlich hin zum sportlichen Reiten mit angepassten Begleitmöglichkeiten, wie Spezialsattel, Spezialtrense, Spezialbügel und vor allem einem Reitlehrer, der sich in diesem Bereich des Behindertenreitens ausbilden lässt.

    In der Hippotherapie behandeln wir inzwischen bereits 44 behinderte Kinder und Erwachsene.

    Unsere Therapiepferde haben einen schweren Job zu leisten.

    Für alle die, die Nichtreiter sind, will ich kurz erläutern: Unsere Therapiepferde müssen oft schief sitzende, schwere Patienten auf ihrem Rücken ertragen. Sie versuchen, sich die Last auf ihrem Rücken so gut wie möglich zurecht zu setzen. Manche Patienten sind aber von ihrem Becken her fest und können sich auf die Bewegungen des Pferderückens nicht einlassen und mitschwingen. Das heisst, sie blockieren die Bewegungen des Pferderückens. Und so verspannt sich auch der Pferderücken. Manche Patienten drücken auch mit ihren spastischen Beinen seitlich in den Bauch des Pferdes. Auch das müssen die Pferde geduldig ertragen.

    Schön ist es mit Erwachsenen auf dem Pferd zu arbeiten. Erwachsene können uns Krankengymnasten ein Feedback ihres physischen und psychischen Zustands geben. Sind wir selber feinfühlige Reiter, können wir so auch dem Patienten besser vermitteln, wie er, zusammen mit der Bewegung des Pferdes, seine Muskulatur anspannen und entspannen kann, wo er genau den Druck des Reitsitzes spüren muss, wo genau seine Körpermitte ist und wo genau sein Körperschwerpunkt sich befinden soll. Über dieses innere Reiten mit Hilfe von Methoden wie z.B." Feldenkrais ", kommt der Patient häufiger zum Loslassen seines Beckens, seiner Hüften und somit seiner gesamten Wirbelsäule. Dieses Loslassen wird dem Patienten langsam bewusst und so lernt er das Ganze auch in die Alltagssituation zu übertragen. Er bekommt wieder ein Gefühl für seine Körpermitte und kann lernen, über sein inneres Bewusstsein diese Position im Alltag immer wieder zu suchen und zu finden. Zusätzlich kommt das Gefühl des sich Gehenlassens, sich Tragenlassens im Vertrauensbund mit dem Therapeuten und Führer, der dieses starke Pferd gut unter Kontrolle hat. Es ist das Gefühl des stimmigen Dialoges zwischen Führer, Therapeut und Pferd.

    Unbestritten ist, dass unsere Arbeit hilft, unbedingt erforderlich ist und weitergeführt werden muss! Richtig ist aber auch, dass wir nach wie vor unzureichend mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Der Staat und andere öffentlichen Kostenträger loben unsere Arbeit oft und gerne. Aber die erbrachten Leistungen bleiben - leider - immer noch ohne ausreichendes Honorar.

    Es wird Zeit dass wir die Arbeit der ATE auf eine solide Finanzbasis stellen. Alles was wir aufgebaut haben, hat es verdient anerkannt und angemessen honoriert zu werden!